Chronik




Chronik
der
Freiwillige Feuerwehr
Nasserein - St. Anton am Arlberg

Aus der Chronik der Gemeinde St. Anton am Arlberg

Texte von Ing. Hans Thöni, Peter Studenik, Martin Raffeiner und Christoph Birkl
Bilder aus dem Archiv der FF St. Anton a. A.
und Privat

 

Aus
den Dorfordnungen unseres Heimatortes wissen wir, dass auch die Vorfahren Maßnahmen gegen den leichtsinnigen Umgang mit dem Feuer erlassen und eingehalten haben. So durfte man etwa kein offenes Feuer von einem Haus zum anderen tragen, es musste in einer Pfanne, die mit einem Deckel versehen war, transportiert werden. Die einzigen Gerätschaften für die Bekämpfung von Feuer  bestanden in hölzernen Wasserkübel, mit denen kleinere Brände bespritzt und abgelöscht wurden. Es muss jedoch bereits vor 1881 eine bescheidene einheimische Feuerwehr gegeben haben, denn in den Protokollen der Gründungszeit ist die Rede  von zwei alten Spritzen. Diese Spritzen wurden von je vier Mann in Betrieb gehalten, das Ergebnis war nur ein bescheidener Wasserstrahl.


Als
im Frühjahr 1884 der Tunnelbau in der Schlussphase war und die Tunnelingenieure und Arbeiter St. Anton allmählich verließen, musste die Feuerwehr mit einheimischen Kräften besetzt werden. Um den neuen Feuerwehrhauptmann Carl Schuler scharte sich ein Häuflein von Idealisten, die sich sehr bemühten, nicht nur Ersatz zu sein. Der Mannschaftsstand der Feuerwehr Nasserein betrug im Jahr 1885 etwa 100 Mann. Die Gemeinde hieß damals noch Nasserein, doch der Bahnhof hatte bereits den wohlklingenden Namen Sankt Anton am Arlberg erhalten. In den Jahren bis zur Jahrhundertwende 1900 stieg die Belegschaft auf etwa 140 Mann an. Es gab nur wenig Brände, meist Rasen- und Waldbrände und die Feuerwehr hatte sich durch einige Übungen im Jahr ihre Einsatzkraft erhalten. Der Gruß der Feuerwehr „Gut Heil“ hat die Feuerwehrler bis zum 1. Weltkrieg begleitet. Der Spruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ sollte die Frömmigkeit der Männer mit sozialem Engagement verbinden.


Als
die Wirtsfamilie Schuler im Jahr 1896 mit dem Bau des Hotel Post begann, wollte der Wirt Carl Schuler abgelöst werden, er blieb dann doch bis zum Jahr 1903, obwohl er bereits als Präsident des Verschönerungsvereines und zum Obmann des 1901 gegründeten Skiclubs(SCA) ernannt worden war. Die Ortsteile Sankt Anton und Sankt Jakob waren bis zum Bahnbau nahezu gleich groß. Erst durch den Bahnbau ist St. Anton schlagartig größer geworden. Es wurde daher festgelegt, dass St. Anton wegen der größeren Einwohnerzahl und auch wegen der Lage des Bahnhofes den Feuerwehrhauptmann stellen sollte. Der erste einheimische Feuerwehr-Hauptmann Carl Schuler (1851-1917) ist nach dem Tod seiner ersten Gattin im Jahr 1903 abgetreten, sein Nachfolger war Jakob Murr, der bisherige Stellvertreter. Jakob Murr (1946-1919) war Gastwirt zum Goldenen Kreuz in der Wüste, er war Hauptmann von 1903 bis 1911. In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg hat es keinen ernstlichen Brand gegeben, wenn man von dem Dorfbrand in Zams absieht, bei dem am 11. August 1911 fast das ganze Dorf in Flammen aufgegangen ist. Im Jahr 1911 wurde Jakob Murr vom neuen Hauptmann Franz Xaver Mussak (1973-1936) abgelöst. Franz Xaver Mussak war Hauptmann in der schweren Zeit des 1. Weltkrieges von 1911 bis 1919. Aus der Familie Mussak kam ein weiterer  Feuerwehrhauptmann, Bruno der Enkel von Franz Xaver Mussak, führte die Feuerwehr von 1983 bis 1993. 1919 wurde Walter Schuler, der Sohn des ersten Feuerwehrhauptmannes, zum Hauptmann erkoren. Er übte dieses Amt über 20 Jahre aus.


In
der Zeit der 1. Republik erhielt die Feuerwehr neben der Brandbekämpfung auch andere Aufgaben zugeteilt. Auch bei Hochwasserkatastrophen wurde nun die Feuerwehr zu Hilfe gerufen, wie zum Beispiel bei der Hochwasserkatastrophe im Sommer 1920, bei welcher das E-Werk des Betriebes Paul Hellmann im Viertel unter der Kirche vernichtet worden ist. Auch bei Lawinenabgängen und Bergunfällen griff man gerne auf die Dienste der Feuerwehr zurück.


Im
Jahr 1928 konnte die Feuerwehr von St. Anton mit einer revolutionären Neuerung aufwarten. Als erste Feuerwehr des Bezirkes konnte eine benzinbetriebene Motorspritze angekauft werden. Bereits die erste Vorführung beim Feuerwehr-Gauverbandstag in Flirsch, verbunden mit einer exzellenten Demonstration der St. Antoner Mannschaft, brachte unserer Feuerwehr großes Lob ein. Bereits im Winter 1930 gab es den ersten Großbrand seit dem Bahnbau, hier konnte sich die Motorspritze erstmals bewähren. Beim Brand des Stecherhauses musste das Wasser aus dem Steißbach bis zur Brandstätte hinaufgepumpt werden.

Im
Frühsommer 1931 konnte die Feuerwehr ihr 50-Jahr-Jubiläum feiern. Der Gründer, Hofrat Dr. h.c. Ing. Carl Wagner, gratulierte brieflich aus Kundl, weil es um seine Gesundheit nicht mehr am besten stand. Im Winter 1933 ist der Gründer und Ehrenhauptmann Ing. Carl Wagner verstorben. Als am 12. März 1938 der Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland erfolgte, wurde lediglich der Hauptmann ausgetauscht. Walter Schuler wurde von Anton Scherer ersetzt. Anton Scherer (1886-1951), ein Elektrotechniker aus Schwaz, war mit Maria Fahrner verheiratet, sein Sohn Paul Scherer stand der Feuerwehr St. Anton nach dem 2. Weltkrieg von 1958 bis 1970 ebenfalls als Hauptmann vor.


Im
Sommer 1938 hat es im Mitterdorf gebrannt. Das alte Bauernhaus Mallaun- Eiter wurde am 17. August 1938 ein Raub der Flammen. Die Rettung der umliegenden Gebäude, namentlich der großen Post-Wagenremise von Schuler, gelang nur mit Hilfe der Wehren des ganzen Tales.


Am
2. März 1942 gab es wieder ein Großfeuer. Im Unterdorf brannte das alte Seeberger-Haus bis auf die Grundmauern ab. Hier war es ein Glück, dass auf dem Schindeldach noch viel Schnee lag, wodurch der Brand verzögert wurde.


Die
größte Katastrophe unseres Dorfes war der Brand von Sankt Jakob am 20. April 1943, bei dem vier Häuser mit Ställen und Stadeln abgebrannt und das Pfarrhaus und die Kirche schwer beschädigt wurden. Etwa 50 Personen haben dabei ihre Wohnungen verloren und mussten bei Verwandten und Bekannten einquartiert werden.
Das Kriegsende, das St. Anton mit dem Einmarsch marokkanischer Truppen am 5. Mai 1945 erlebte, hat Gott sei Dank keine Kampfhandlungen und auch keine Brände mit sich gebracht. Und dies trotz der Tatsache, dass ganz St. Anton überfüllt mit deutschen Soldaten und Wehrmachtsfahrzeugen mit Waffen aller Art war.


Nach
längerer Krankheit legte der Kdt. Anton Scherer im Jahre 1952 sein Amt zurück, Rudi Matt wurde zum Kommandanten gewählt, der dieses Amt bis 1958 ausübte. Bei den Neuwahlen in diesem Jahr wurde Paul Scherer zum Kommandanten, Ludwig Wasle und Edmund Klimmer zu seinen Stellvertretern gewählt. In den folgenden Jahren konnten dann wieder größere Anschaffungen getätigt werden, so erhielt die Feuerwehr St. Anton 1960 eine neue Motorspritze und 1962 ein neues Fahrzeug mit der Ausrüstung für eine Gruppe. Zur gleichen Zeit wurden die ersten Atemschutzgeräte gekauft. In weiterer Folge kaufte die Gemeinde für die Feuerwehr eine fahrbare Leiter mit 15 Metern  und im Jahr 1965 wurde die Feuerwehr mit Funkgeräten ausgerüstet. Unter Kdt. Paul Scherer wurde die Ortsgruppe St. Christoph gegründet. Als Paul Scherer 1970 aus gesundheitlichen Gründen das Kommando der Feuerwehr zurücklegte, wurde Ludwig Wasle zu seinem Nachfolger.

Stellvertreter von Ludwig Wasle wurden Rudolf Büsl und Edmund Klimmer.


1972
erhielt die Löschgruppe St. Jakob das längst fällige eigene Fahrzeug samt Ausrüstung und Atemschutzgeräten. Fast zur gleichen Zeit wurde die Alarmierung auf Fernsteuerung umgestellt. Die größte Anschaffung bis Dato wurde 1974 mit dem Kauf des Tankfahrzeuges getätigt.
1980 Zugentgleisung beim Portal des Arlbergtunnels

1983
legte Kdt. Wasle sein Amt nieder, Bruno Mussak wurde zum neuen Kommandanten gewählt. Die Stellvertreter von Mussak waren in St. Anton Heinrich Wörle und in St. Jakob Josef  Wiedemann.


1984
wurde eine stationäre Funkanlage namens Florian in der Halle installiert und diente somit als Einsatzzentrale bei Unglücken und Katastrophen jeglicher Art.


1985
bekam die Wehr in Form der Drehleiter eines der wichtigsten Fahrzeuge, um die Einsatzkraft bei der Brandbekämpfung und bei der Personenbergung wesentlich zu erhöhen.

1988
zählte mit knapp 30 Einsätzen zu einem der arbeitsreichsten Jahre für die Wehr, wobei der Einsatz bei der Wolfgrubenlawine uns noch Allen in schrecklicher Erinnerung ist. Bei diesem Unglück zeigte sich die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen. Diese wird durch den Neubau des Sicherheitszentrums noch besser gefördert.

1992
wurden zwei weitere Meilensteine in der Geschichte der Wehr gesetzt. Zum einen der Entschluss zum Neubau eines Gerätehauses in St. Jakob und zum anderen der Ankauf eines Tanklöschfahrzeuges, das bis zum heutigen Tag einer der wichtigsten Eckpfeiler bei den immer schwieriger werdenden Aufgaben ist.


1992
legte Kdt. Bruno Mussak sein Amt nieder und schlug Reinhard Traxl als seinen Nachfolger vor, der dann auch mit großer Mehrheit gewählt wurde. Sein Stellvertreter wurde Edi Klimmer.


1996
wurde ein Großteil der Mannschaft in St. Anton mit Rufempfängern (Piepsern) ausgerüstet und somit das Zeitalter der stillen Alarmierung ins Leben gerufen. Gerade in der Winterzeit zieht es immer großes Aufsehen mit sich, wenn in der Nacht die Sirenen heulen.

1997:

In diesem Jahr wurde Kdt. Traxl nach 5jähriger Amtszeit von Otto Mussak abgelöst, dieser wiederum musste aus beruflichen Gründen sein Amt nach einem Jahr zurücklegen.

1999:

Seit 1999 übt Martin Raffeiner das Amt des Feuerwehrkommandanten in unserer Gemeinde St. Anton am Arlberg aus.

Dieses Jahr war eines der Einsatzreichsten in der Geschichte der FF St. Anton.

So sind uns allen noch die schrecklichen Bilder aus Galtür und Valzur in Erinnerung wo viele Menschen in Lawinen den Tod gefunden haben. Es wurde in dieser Zeit wieder die Erinnerung an 1988 wach, wo auch in St. Anton einer Lawine 7 Menschen zum Opfer gefallen sind. In diesen Tagen extremster Lawinengefahr wurde zum Schutz der Bevölkerung sogar eine Ausgangssperre verhängt.

Im Frühjahr änderte der Schnee seinen Aggregatzustand, wurde zu Wasser und verursachte einen Erdrutsch der ca. 15 Häuser, die Eisenbahntrasse, Gemeinde- und die Bundesstraße in Mitleidenschaft zog. Es war ein Riesenglück, dass zu dieser Zeit gerade die Bahnverlegung in St. Anton durchgeführt wurde und somit sehr viele Baumaschinen und Bagger rasch zur Stelle waren und somit noch größerer Schaden verhindert werden konnte.

2000:

Im Jahr 2000 wurde mit dem schon lange notwendigen Bau einer neuen Unterkunft für die Freiwillige Feuerwehr St. Anton begonnen. Das alte Gebäude wurde abgerissen und an der gleichen Stelle ein Neues errichtet. Weiters wurde in diesem Sicherheitszentrum die Bergrettung, das Rote Kreuz die Fernsehrgemeinschaft St. Anton und das lokale Fernsehen „ARLBERG TV“ untergebracht.

2001:

Im Jänner 2001 bekommt die LG St. Jakob ein hochmodernes Tunnelfahrzeug. Dieses Fahrzeug wurde von den ÖBB finanziert da es seitens des Landesfeuerwehrinspektorates für den Wolfsgrubentunnel vorgeschrieben wurde.

Ein Meilenstein in der Geschichte St. Anton´s fand ebenfalls in diesem Jahr statt.

Die Alpine Schi WM 2001.

Eine solche Großveranstaltung stellte natürlich auch an unsere Wehr große Herausforderungen und Aufgaben die von den Kameraden der FF St. Anton weltmeisterlich erledigt wurden.

2002:

Im Sommer 2002 konnte von der Fa. Rosenbauer bzw. den ÖBB das Zweiwegefahrzeug übernommen werden. Mit diesem Fahrzeug ist es möglich sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene zu fahren. Die Kosten dieses ca. 850.000,-€ teuren Fahrzeuges trug zur Gänze die ÖBB.

Bei der Jahreshauptversammlung im Herbst wurde dem gesamten Führungsstab der Freiwilligen Feuerwehr St. Anton wiederum das Vertrauen ausgesprochen und in ihrem Amt bestätigt.

Im Sommer konnte die FF St. Anton ca. 90 Gruppen beim Bezirksnassleistungsbewerb begrüßen der in diesem Jahr in St. Anton stattfand. Bei strahlendem Wetter wurden an diesem Tag von den teilnehmenden Gruppen tolle Leistungen geboten.

Diese Veranstaltung brachte der Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr St. Anton wegen ihrer perfekten Organisation großes Lob ein.

2004:

Im Juli 2004 wurde Seitens der Gemeinde dem Kauf einer neuen Drehleiter zugestimmt die ab Juli 2005 der Bevölkerung von St. Anton zur Verfügung steht.
2005:

Am 28. Juli dieses Jahres konnte die neue Drehleiter an der LFS von den Verantwortlichen der Feuerwehr St. Anton übernommen werden. Am 13. August veranstaltete die FF St. Anton die Abschnittsübung des Abschnittes Stanzertal. Es wurden 12 Übungen vorbereitet welche die anwesenden Wehren zu lösen hatten. Nervenaufreibende Stunden und Tage erlebten wie auch in vielen anderen Teilen Westösterreichs die Kameraden der FF St. Anton. Das Hochwasser beginnend vom 22. August 2005 richtete auch in St. Anton große Schäden an. Durch den frühen, weitblickenden und organisierten Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr St. Anton konnte jedoch ein weit größerer Schaden verhindert werden.
2006: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr St. Anton am Arlberg

Der erste Höhepunkt in diesem Jubiläumsjahr war am 8. März ein gemeinsames Essen des Ausschusses der FF und dem Gemeinderat von St. Anton. Anlaß war der Gründungstag der damals Freiwilligen Feuerwehr Nasserein am 8. März 1881.
Im April konnten die Kameraden der FF St. Anton eine Abordnung der FF Untermoi im Gadertal (Dolomiten) begrüßen. Seit diesem Jahr sind diese Wehren Partnerfeuerwehren. Der Gegenbesuch bei der FF Untermoi fand im Sommer statt.
Ein weiterer Höhepunkt anlässlich des 125 jährigen Jubiläums war das Jubiläumsschießen im Schießstand in der Guhl. Die Jubiläumsscheibe wurde von Hermann Mussak gestaltet.
Das 3 tägige Zeltfest in St. Anton wurde in diesem Jahr von der FF St. Anton abgehalten. Dieses Fest war für die Kameraden/innen ein riesen Erfolg. Die Drehleiter und ein neuer Jugendwimpel wurden am Sonntag beim Festgottesdienst im Zelt eingeweiht.